Das Rätsel Babbel

Markus Babbel lässt sich Zeit. Das ist sein gutes Recht. So eine Entscheidung will schließlich gut überlegt sein. Bleibt man bei dem Verein, den man in die Bundesliga geführt hat, der aber beschränkte wirtschaftliche Spielräume hat? Oder sucht man sich eine neue, vielleicht lukrativere Aufgabe? Eine, die näher an München ist, wo Babbels Familie lebt zum Beispiel. Oder eine, wo mehr Geld für Neuzugänge vorhanden ist. Doch, dass Markus Babbel sich Zeit lässt, ist sein gutes Recht.

Heikel wird es dann, wenn der Trainer auf der Mitgliederversammlung seines Vereins kein einziges Wort über gar nichts verliert. Er hätte ja zum Beispiel über die neu aufgetretenen Probleme in der Abwehr sprechen können. Oder über die gute Trainingsarbeit. Oder über Schafskopf-Künste von Andreas Ottl. Eigentlich völlig egal worüber. Aber er hätte sprechen müssen. Denn es ist eine Sache, sich Bedenkzeit zu nehmen. Sich zu verstecken, ist eine andere.

Babbel mag gute Gründe für sein Zögern haben. Seine Familie kam häufig zur Sprache, wenn es um die Vertragsverlängerung über das Jahr 2012 hinaus ging. Eine Fernbeziehung ist für Fußballtrainer zwar Gang und Gäbe, wenn es denn überhaupt eine Beziehung gibt – andererseits ist Babbel noch nicht allzu lange ein solcher und musste sich in seiner Anfangszeit beim VfB Stuttgart diese Fragen nicht wirklich stellen. Stuttgart – München, das sind etwas mehr als zwei Stunden mit dem Auto. Nicht vergleichbar mit Berlin.

Ein anderer Grund könnte ein Verein näher an seiner Heimat sein. Ein Blick in die Bundesliga zeigt allerdings, dass bis auf Werder Bremen alle Vereine ihre Trainer mit Verträgen bis mindestens 2013 ausgestattet haben. Dass Babbel zurück nach Stuttgart geht, ist ohnehin eher unwahrscheinlich, Bruno Labbadia sitzt dort relativ fest im Sattel. Holger Stanislawski hat in Hoffenheim sogar bis 2014 unterschrieben. Über Jupp Heynckes nachzudenken verbietet sich angesichts der bisher erfolgreichen Bayern-Saison ohnehin. Und sonst? Nürnberg? Hecking hat dort bis 2014 verlängert. Und in Augsburg hat Jos Luhukay auf Lebenszeit unterschrieben.

Bleibt die zweite Liga. In Fürth und bei den blauen Münchenern mit dem immer noch weltbesten Torhüter laufen die Trainerverträge zum Ende der Saison aus. Schielt Babbel dorthin? Würde der Mann mit den Ambitionen irgendwann einmal die Bayern zu trainieren noch einmal zurück in die zweite Liga gehen? Der Familie wegen?

Natürlich sind das Spekulationen, die völlig aus der Luft gegriffen sind. Aber Babbel hilft mit seinem Schweigen nicht gerade, diese im Keim zu ersticken. Es geht nicht darum, dass er sich schon entscheiden muss. Aber es geht schon darum, ob ein Bleiben überhaupt eine Option ist. Denn zwischen den Zeilen von Michael Preetz, der bei der Mitgliederversammlung von “einem Überlegungsprozess” und einer “grundsätzlichen Entscheidung” sprach, war schon zu erkennen, dass Babbel nicht unbedingt darüber nachdenkt, was er mit Hertha in Zukunft erreichen kann. Es geht darum, ob er diese Zukunft überhaupt in Betracht zieht.

Babbels komplettes Schweigen auf der Mitgliederversammlung deutet darauf hin, dass das Ergebnis dieser Überlegungen nicht unbedingt pro Hertha tendiert. Was in Ordnung ist. Der Mann ist Münchener und jeder soll da glücklich werden, wo er sich wohlfühlt. Allerdings muss Michael Preetz dann überlegen, wie vorteilhaft es wäre, mit einem Trainer in einen möglichen Abstiegskampf zu gehen, der am Ende der Saison ohnehin den Verein verlässt.

Es werden keine besinnlichen Weihnachtsferien für Michael Preetz.

Update 30.11.: Heute bezieht Babbel Stellung in den Springermedien BZ und Bild. Darin sagt er, dass Präsident Gegenbauer die Mitgliederversammlung künftig zu einer Veranstaltung “der Mitglieder” und nicht “des Teams” machen will. Kurz danach sagt er, dass er etwas gesagt hätte, wäre er dazu aufgefordert worden. Sehr merkwürdige Art, dass dann Tage später in den Boulevard-Medien zu erzählen. War jemand bei der Mitgliederversammlung und hat von Präsident Gegenbauer gehört, dass die MV ab sofort eine Veranstaltung der Mitglieder sei (und deshalb die Mannschaft in Zukunft nicht mehr zu Wort kommen wird)? Und wenn ja, waren die Reaktionen darauf positiv? Ich kann es mir ehrlich gesagt nicht vorstellen. Das Ganze wirkt doch sehr konstruiert.

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